Impfungen bei Frühgeborenen
Auch Frühchen sollten unbedingt geimpft werden!
(pgk) Sollten sehr kleine Frühgeborene geimpft werden? Ist das nicht gerade für sie eine unnötige zusätzliche Belastung? Manche besorgten Eltern sind zögerlich, zumal Impfgegner immer wieder vor einem vermeintlich erhöhten Impfrisiko für die Frühchen warnen. Doch das ist falsch: Wie eine neuere Studie belegt, sind extrem kleine Frühgeborene keinem höheren Impfrisiko als andere Neugeborene ausgesetzt. Impfungen sind vielmehr gerade für diese Kinder besonders wichtig, weil sie anfälliger für schwerwiegende Infektionskrankheiten sind.
So tritt die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) der noch immer verbreiteten Vermutung klar entgegen, es gebe nach Impfungen von Frühgeborenen gravierende Nebenwirkungen. Sie bezieht sich dabei auf die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung, die Birgit Ziegler und Professor Hans-Michael Straßburg von der Universitäts-Kinderklinik Würzburg ausgewertet haben. Darin wird anhand der Daten von 216 Frühgeborenen der Geburtsjahrgänge 2004 bis 2006, die alle ein Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm aufwiesen, belegt, dass Frühchen Impfungen in der Regel gut vertragen.
Im Gegenteil - gerade für extrem kleine Frühgeborene sind nach Meinung von Experten Impfungen vor allem deshalb anzuraten, weil gerade diese Gruppe von Kindern besonders anfällig für schwerwiegende und zum Teil auch gefährliche Erkrankungen wie Haemophilus influenzae Typ b und Pertussis (Keuchhusten) sind. Gravierende Impf-Nebenwirkungen, die gerade bei Frühgeborenen immer wieder vermutet werden, treten dagegen kaum auf. So wurden laut Studie schwerere Nebenwirkungen - wie zum Beispiel Abfall der Sauerstoffsättigung und Verlangsamung der Herzaktion - lediglich bei 1,1 Prozent aller geimpften Frühgeborenen vorübergehend festgestellt. 20 Prozent der geimpften frühgeborenen Kinder hatten nach Einschätzung der Eltern nach der Impfung leichte Lokalreaktionen, Fieber und Schlafstörungen. Diese leichteren und meist ungefährlichen Nebenwirkungen können jedoch auch bei normal geborenen Kindern auftreten. Bei sehr unreifen Frühgeborenen (Geburt vor der vollendeten 28. SSW) kann eine Überwachung der Atmung nach der Impfung sinnvoll sein.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 1996, dass Frühgeborene ab einem Alter von zwei Monaten alle Impfungen erhalten sollen wie andere Kinder auch. Die Studie zeigt, dass diese Empfehlung auch umgesetzt wird: Fast alle Frühchen erhalten die empfohlenen Basisimpfungen. 97,5 Prozent bekommen die Grundimmunisierung (mit Sechsfachimpfstoff). Die ab elf Monaten empfohlene MMR-Erstimpfung erhalten 95 Prozent, 68 Prozent werden gegen Windpocken, 68,8 Prozent gegen Meningokokken geimpft.
Fazit der Studienleiter: Auf Impfungen Frühgeborener sollte auf keinen Fall verzichtet werden. Die Erstimpfungen würden zurzeit konsequent in fast 100 Prozent durchgeführt. Bei den Nachimpfungen allerdings sehe es nicht ganz so gut aus. Dort sei Handlungsbedarf, um die Risikogruppe der Frühgeborenen umfassend zu schützen.
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